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16
Apr
2011
BINE-Projekt Sommersonne gegen Winterkaelte (April 2011) PDF Drucken
Kritische Fakten zur Solartechnk
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 28. April 2011 um 20:05 Uhr
bine_projekt_201102
Dieses Solar-Nahwärme_Projekt, was in München in einer Siedlung am Olympia-Park realisiert worden ist, beschreibt anschaulich und halbwegs objektiv die Effizienz der Solarthermie im privaten Wohnungsbau, die prinzipiell auch auf jedes Einfamlienhaus übertragbar ist, was mit einer Solarwärmeanlage (egal, mit welcher Kollektorfläche) ausgestattet werden soll.

SOLARKRITIK.DE hat sehr intensiv die auf den Seiten 2 und 3 der Broschüre verwendeten Grafiken und Tabellen analysiert und zusammen mit den Rahmenbedingungen, die im Beschreibungstext der 4-seitigen Broschüre erwähnt werden, auf Plausibilität geprüft und SOLARKRITIK.DE konnte keine logischen Fehler bei der Aufbereitung der publizierten Zahlenwerte erkennen, was nicht immer selbstverständlich ist, siehe "Merkwürdigkeiten im TEST 3/2009"

Allerdings verwendet die BINE-Broschüre leider auch den irreführenden Begriff "Brauchwasser" in Verbindung mit dem Begriff "Frischwasser" (Kritikpunkt 1).

Auch müßen einige Zahlenwerte ergänzend kritisch erläutert werden:

Es handelt sich bei dem Projekt um ein Solarwärmeprojekt mit 2.761 (!) qm Solarkollektorfläche, die 30.400 qm Geschoss- bzw. Wohnfläche mit Solarwärme beheizen sollen. Aber diese Angaben machen deutlich, daß für die Konzeption einer Solarwärmeanlage für die Raumheizung die zu beheizende Geschoß- bzw. Wohnfläche von Relevanz ist und nicht die Anzahl der Menschen, die eine Wohnung bewohnen, siehe auch SOLARKRITIK15.

Trotzdem hätte auch die Anzahl der Menschen genannt werden müssen, die diese Siedlung bewohnen, deshalb...

Kritikpunkt 2: Es wird in der Broschüre keine Größenordnung der Anzahl der Menschen angegeben, die diese Siedlung bewohnen. Wenn diese Größenordnung angegeben wäre, könnte des Trinkwasserwärmebedarf beurteilt werden.

Der Hauptschwerpunkt der Analyse von SOLARKRITIK.DE bezieht sich auf die Abb. 3 auf der Seite 2 der Broschüre, in der eine Tabelle mit Messergebnissen und Simulationswerten zu erkennen ist. Das Positive vorweg: Alle Zahlenwerten sind plausibel und schlüssig auf einander aufbauend und nachvollziehbar, allerdings erläutert SOLARKRITIK.DE nachfolgend einige Zahlenwerte der Abb. 3 für den unbedarften Solarlaien:BineErtragswerteMuenchen_ProjektInfo201102


1. Anmerkung:

Die "Simulationswerte" weichen um ca. 20% im Vergleich zu späteren Realität der Jahre 2007/08 und 2008/09  ab. Ein 3. Realitätswert für das Jahr 2009/2010 wird nicht mitgeteilt, obwohl er eigentlich verfügbar sein müßte.

2. Anmerkung:
Der "Wärmeverbrauch in den Häusern" lt. Abb. 3 betrug im Jahr ca. 1.800 MWh, also ca. 1.800.000 KWh im Jahr. Die 30.400 qm-Geschossflächen benötigen also ca. 59,21 KWh Heizwärme pro qm-Geschoßfläche. Eine 100qm-Wohnung in dieser Siedlung benötigt/verbraucht also ca. 5.921 KWh Heizwärme im Jahr. Dieser Wert von 5.921 KWh Heizwärme für eine durchschnittliche Wohnung ist also nicht vergleichbar mit einer "Standard-Wohnung" im Gebäudebestand in Deutschland, die ca. 15.000 bis 20.000 kWh Heizwärme benötigt (Raumwärme und Trinkwassererwärmung). Dieser Wert des Gesamtwärmebedarfs einer Wohnung ist wichtig zu kennen, um auch die angegebenen solaren Prozentwerte der "solaren Deckungsrate" von 38% (Jahr 2007/2008) und 45% (Jahr 2008/2009) korrekt zu bewerten und einzordnen. Denn die installierte Solarkollektorfläche von 2.761qm liefert also bezogen auf eine 100qm-Wohnung in dieser Münchener Siedlung im Jahr 2007/2008 lediglich 2.249,88 kWh (38% von 5.921 KWh) und im Jahr 2008/2009 ca. 2.664,45 kWh (45% von 5.921 KWh).

Dadurch bestätigen sich die seit Jahren auf SOLARKRITIK.DE publizierten (geringen) solaren absoluten Ertragswerte einer solarthermischen Anlage.

Die relativ hohen Prozentwerte von 38% und 45% solarer Deckungsrate suggerieren fälschlicher Weise einen höheren Ertrag, wenn man übersieht, daß dieser hohe Prozentwert nur dadurch erzielt wird, weil der Gesamtheizwärmebedarf dieser Häuser von nur ca. 6.000 kWh im Jahr relativ gering ist und nicht dem Heizbedarf im "Gebaudebestand" in Deutschland entspricht, der bei ca. 15.000 kWh und mehr liegt.

Auf diese irreführende Suggestion mit einem "niedrigen Gesamtwärmebedarf" und hohen Prozentwerten hat SOLARKRITIK.DE auch in der 30-seitigen Ausarbeitung "Wie die Solarwirtschaft täuscht" unter Punkt 6.2 hingewiesen.

3. Anmerkung:
Interessant ist auch festzustellen, wie hoch die Wärmeverluste durch Speicherverluste bzw. "Wärmeverluste im Sammelnetz" sind. Von ursprünglich 969 MWh im Jahr 2007/2008 "ins Sammelnetz gelieferte Solarenergie" kommt wegen verschiedenartiger Speicherverluste nur noch 693 MWh "solare Nutzenergie" an, also ein Verlust durch die Speicherproblematik von ca. 29%.

Angenommen, man würde die Wärme- und Speicherverluste von 29% zu 100% eliminieren und auf 0% runterfahren können, würde der maximale Solarertrag für eine 100qm-Wohnung bei 3.168,84 kWh (2.249,88 / 71 * 100) bzw. bei 3.752,74 kWh (2.664,45 / 71 * 100) liegen.

Auch daran wird deutlich, daß der auf SOLARKRITIK.DE publizierte maximale Solarertrag von 5.550 kWh aus einem solaren Simulationsprogramm eher ein Wunschtraum ist.

Beachten Sie auch, daß die hellblaue Linie in Abb. 4 BineErtragswerteMuenchen_Nahwaermenetz_ProjektInfo201102auf Seite 3 der Broschüre, die Wärmeverluste im Sommer deutlich macht, wo solare Wärme gesammelt wird, die aber nicht genutzt werden kann bzw. im Speicher nicht ohne Verluste gespeichert werden kann. Insofern werden bei der Solarthermie immer Wärmeverluste durch Speicherverluste und durch das Mißverhältnis von "Solarertrag" (im Sommer) und "Wärmebedarf" (im Winter) entstehen.

Das Problem kann man zwangsläufig nicht und nie lösen.


4. Anmerkung:
Die ins Sammelnetz gelieferte Solarenergie von 969 MWh (969.000 kWh) ergibt im Jahr 2007/2008 rechnerisch den spezifischen Kollektorertrag von 351 kWh/m²-Kollektorfläche im Jahr, wenn man diesen Wert mit den 2.761 qm-Solarkollektorfläche multipliziert bzw. dividiert. Insofern sind diese Werte plausibel. Auch die Multiplikation des "spezifischen solaren Nutzenergieertrag" von  251 kWh/m²-Solarkollektorfläche im Jahr ergibt mulitpliziert mit der Gesamt-Kollektorfläche von 2.761qm den "solare Nutzenergie"-Wert von 693 MWh. Auch diese Ertragswerte von ca. 250 bis ca. 350 kWh-Solarertrag pro qm-Solarkollektorfläche decken sich mit den seit Jahren auf SOLARKRITIK.DE publizierten solaren Ertragswerten.


Fazit von SOLARKRITIK.DE:
Auch bei diesem solaren Nahwärmeprojekt in München mit 2.761 qm-Solarkollektofläche ergeben sich Solarertragswerte für ein(e) 100qm-Wohnhaus/Wohnung von ca. 3.000 kWh im Jahr. Eine Verbesserung der pozentualen solaren Deckungsanteile - von erhofften 50% - wird nur dadurch erzielt, in dem Wärme- und Speicherverluste in Zukunft vermieden werden sollen, aber nicht durch eine Optimierung/Verbesserung der Solarkollektoren, und nicht durch eine verbesserte Ausnutzung der Solarstrahlung. SOLARKRITIK.DE hat die Nachvollziehbarkeit und Plausibilität der Zahlenwerten dieser Broschüre von BINE sehr begrüßt und positiv herausgestellt. Trotzdem kritisiert SOLARKRITIK.DE die Verschleierung der realen absoluten Ertragswerte (in KWh) der Solarthermie bei diesem Nahwärmeprojekt in München.

SOLARKRITIK.DE hatte in der Vergangenheit aber auch sehr kritisch über BINE berichtet.


 

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